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Kleinen und mittelständischen Unternehmen fehlt es nicht selten
an klaren Visionen und Konzepten für die Zukunft. Vieles bleibt über
dem Alltagsgeschäft dem Zufall überlassen. Ein Zustand, der
angesichts sich stetig wandelnder Märkte leicht zum Verhängnis
werden kann.
Coaching leistet wertvolle Hilfe, um notwendige Kurskorrekturen in einem
Betrieb vorzunehmen und sich erfolgreich zu positionieren. Organisationsberaterin
Brigitte Melzig sieht Unternehmen als lebendige Systeme, die sich kontinuierlich
verändern und auf immer schnellere Lernprozesse einstellen müssen.
Ein Coach auf Zeit begleitet professionell die gewünschte Entwicklung
oder Neuorientierung.
Worauf sollten kleine und mittelständische Unternehmen bei ihrer
Personalentwicklung achten, um sich erfolgreich zu positionieren?
Es geht im wesentlichen um zwei Dinge: einmal den individuellen Kontakt
zum Kunden professionell pflegen. Das heißt, Kundenkontakte gezielt
angehen und ausbauen, überprüfen, welche Wünsche hat der
Kunde, wie könnte er gut oder besser bedient werden.
Den anderen Schwerpunkt sehe ich in der Unternehmenskultur: Wie geht man
auf Sie zu, wenn Sie in ein Geschäft oder einen Betrieb kommen? Sind
die Mitarbeiter freundlich oder kurz angebunden? Gehen Sie lieber erst
am nächsten Tag hin, weil da der nette Herr Sowieso wieder bedient?
Der Ton, das Verhalten und Auftreten der Beschäftigten, die gesamte
Atmosphäre spielen eine große Rolle.
Wie es um die Unternehmenskultur bestellt ist, hängt stark von
der Führung ab...
Ja. Große Unternehmen haben zwangsläufig eine Führungskultur,
sonst wären sie gar nicht zu führen. In mittelständischen
Unternehmen wird dieser Faktor häufig vernachlässigt. Das, was
entstanden ist, ist es.
Wie wirkt sich diese "zufällige" Führungskultur
in mittelständischen Unternehmen aus?
Visionen sind oft zufällig. Viele mittelständische Unternehmen
kranken daran, dass sie keine Vision für die Zukunft entwerfen. Sie
sind noch mit dem verhaftet, was der Gründer eingeführt hat,
auch wenn es schon den zweiten oder dritten Nachfolger gibt. Nur haben
sich die Märkte aufgrund der Globalisierung und des gewaltigen technologischen
Fortschritts gravierend verändert. Alles hat sich beschleunigt. Viele
haben sich diesem Rhythmus noch nicht angepasst, sind immer noch auf Bewahren
ausgerichtet und nicht auf Neues.
Ist die Personalführung in kleinen und mittelständischen
Unternehmen eher überholt?
Sie ist oft nicht überlegt. Es gibt häufig keine klaren Konzepte.
Der "Patriarch," der dem Unternehmen feste Strukturen gab, existiert
heute nicht mehr. Gleichzeitig ist aber nichts Neues an die Stelle getreten.
In mittelständischen Unternehmen herrscht Nachholbedarf in den Bereicen
betriebswirtschaftliche Analysen, Marketing, Logistik. Nachholbedarf sehe
ich auch bei den soft skills: Wie gehe ich mit meiner Rolle als Geschäftsführer
um? Wie verhalte ich mich zum Beispiel bei Konflikten, die meine Führungskräfte
haben, die in meinen Abteilungen schwelen? Auf diesem Feld wird viel vernachlässigt.
Der Mittelstand muss heutzutage sehr stark sparen und mit einer dünnen
Personaldecke fahren. Wenn es da kriselt, geht es wirklich an die Substanz.
Was kann Coaching hier leisten?
Coaching, so wie ich es verstehe, ist Personalentwicklung. Coaching unterstützt
die Geschäftsführung dabei, Strategien zu entwickeln, u. a.
auch im Umgang mit Kunden. Es geht um die Menschen in einem Betrieb und
wie sie am besten miteinander arbeiten, um erfolgreich ihren Job zu machen.
Geht es nicht auch um eine bessere Identifizierung mit dem Unternehmen?
Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten ist es wichtiger denn je,
sich auch als Unternehmer im Unternehmen zu begreifen. Das Unternehmen
allein als Versorgungsinstanz funktioniert einfach nicht mehr. Coaching
ist ein gutes Instrument, um unternehmerisches Denken bei den Mitarbeitern
zu fördern. Und der Kunde wird ganz stark mit einbezogen. Über
den Kunden kommt ja das Geld rein. Wer zahlt, schafft an.
Wie kann der Mittelstand hinsichtlich "Kundenpflege" punkten?
Kleine und mittelständische Betriebe können aufgrund ihrer
Größe flexibler handeln, auf Kunden individueller zugehen.
Sie können sich, im Gegensatz zu Großunternehmen, mehr Zeit
für den Kunden nehmen und seine Wünsche individuell bedienen.
Hier kann Coaching viel leisten, die Beziehung zu Kunden besser herauszuarbeiten.
Es ist ja auch so, dass der Mittelstand die meisten Arbeitsplätze
stellt. Der Mittelstand prägt unsere Kultur - über die Produkte,
über die verschiedenen Dienstleistungen.
Es geht also darum, diese mittelständische Kultur besser zu pflegen...
...und zum Blühen zu bringen, diese mittelständische Identität
zu bewahren. Darunter verstehe ich, sich nicht um jeden Preis jeder Mode
anpassen, trotzdem aber offen zu sein für Veränderungen.
Was kann ein Coach von außen leisten?
Ein externer Berater steht in keinem Konkurrenzverhältnis. Er ist
neutral und kann die Dinge anders sehen. Wenn ich dagegen selber in dem
Unternehmen tätig bin, nehme ich manches nicht mehr wahr. Da ist
vieles normal für mich, ich habe mich daran gewöhnt. Jemand
von außen bringt einen anderen Blick, andere Gedanken mit. Er stellt
andere, neue Fragen.
Wie ist der systemische Ansatz Ihrer Arbeit zu verstehen?
Es geht nicht darum, auf einem bestimmten Problem herumzureiten oder
sich dafür einen Schuldigen zu suchen. Es geht darum zu überprüfen,
wie was zusammenwirkt und welche Auswirkungen damit verbunden sind.
Bitte ein Beispiel dazu...
Kommen wir noch einmal auf den 'Patriarchen'. Vor 20, 30 Jahren war dieser
Führungstyp üblich und alle waren damit einverstanden. Der Chef
ist der Chef, was der sagt, wird gemacht. Da würde ich systemisch
überhaupt nicht eingreifen, weil das damals so passte. Wenn ich allerdings
heute auf einen 'Patriarchen' stoße und gleichzeitig auf viele eigenständige
Mitarbeiter, kann ich sicher sein, dass es Konflikte und Spannungen gibt.
Nun geht es nicht darum, der einen oder anderen Seite die Schuld zuzuschieben.
Vielmehr haben wir hier ein System, das nicht besonders läuft. Was
ist zu tun, damit das Zusammenspiel gut funktioniert?
Wie gehen Sie hier als externer Coach vor?
Nehmen wir einen konkreten Fall. Eine Geschäftsführerin übernimmt
von ihrem Vater, der noch in der Firma ist, den Familienbetrieb mit 50
Leuten. Sie möchte das Unternehmen nach ihren Vorstellungen umstrukturieren.
Einerseits will die Tochter die Tradition wahren, andererseits den Betrieb
aber modernisieren. Der Vater ist so ein 'Patriarch'. Hier sucht sie nun
Unterstützung: "Wie führe ich mein Personal?" Sie
will es anders machen, ist sich aber unsicher, was es überhaupt an
Führungsstilen gibt. Wie wirken sich die aus? Wie führe ich
die ein? Wie führe ich Besprechungen, Mitarbeitergespräche?
Wie gehe ich mit Konflikten um? Was mache ich mit Mitarbeitern, die dem
Unternehmen schaden?
Und die Lösung?
Der Vater, der sich vorher noch relativ oft eingemischt hat, zog sich
zurück. Seine Tochter führte feste Gesprächstermine ein,
Besprechungen mit den Führungskräften. Die Mitarbeiter wurden
geschult, z.B. im professionellen Umgang mit Kunden. Als externer Coach
wurde ich einmal auch als Moderatorin bei einem Konflikt hinzugezogen,
weil die Geschäftsführerin als Beteiligte nicht neutral sein
konnte.
Wie finden Führungskräfte neben dem Alltagsgeschäft
genügend Zeit, Visionen zu entwickeln, um ein Unternehmen vorausschauend
und erfolgreich zu lenken?
Geschäftsführungen müssen ihrem Alltag mehr Struktur geben,
um Zeit zum Planen zu haben. Ich helfe oft dabei zu überlegen, was
kann, was muss delegiert werden, aber auch, was ist nicht delegierbar.
Planen ist wichtig, damit auch wieder Freiräume entstehen.
Worauf sollten Unternehmen bei der Auswahl eines Coachs achten?
Auf eine fundierte Ausbildung, am besten Hochschulabschluss im geisteswissenschaftlichen
oder betriebswirtschaftlichen Bereich und eine Coaching-Ausbildung; schließlich
geht es nicht nur um Zahlen, sondern auch um soft skills. Ein Coach sollte
unabhängig sein. Ein Kunde sagte mir einmal, "für mich
ist es wichtig, dass Sie auch selbstständig sind, damit Sie überhaupt
nachempfinden können, worum es bei uns geht". Ein Coach muss
zuhören können, verstehen. Er muss genügend Demut haben,
den Kunden die Dinge entwickeln zu lassen, weil der Kunde der Kundige
ist.
Als Coach begleite ich den Kunden durch den Dschungel, laufen muss er
selber.
Wer profitiert von Coaching?
Nicht nur die Geschäftsführung. Ab einer bestimmten Unternehmensgröße
ist es auch ganz gut, einen Coach für das mittlere Management zu
haben, vor allem, wenn dieses den Spagat vollführen muss, einerseits
Vorgesetzter zu sein, andererseits Kollege, der den Job selbst mitmacht.
Coaching leistet auch wertvolle Hilfe, wenn es um Fragen der Unternehmensnachfolge
geht.
Wie lange dauert ein Coaching?
In der Regel rechnet man mit bis zu 10 Doppelstunden à 90 Minuten.
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